Once Upon A Time


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Taubenjagd

Berichte > Jagd


Mein Vater Daniel hatte sich immer gefragt, was Daniel und ich auf einer Jagd machen. Also schlug ich ihm vor, uns am Sonntag, 29. Januar, nach Frankreich zu begleiten, wo wir zur Jagd eingeladen waren. Ich habe den Jagdschein seit Juni 2004, hatte bisher aber nie den Mut, selbst die Flinte zu führen. Doch dieses Jahr habe ich beschlossen, selber zu treffen und nicht nur Hunde zu führen.

Wir fuhren - wie geplant - am Samstag um 10.00h von Zuhause weg, hielten in Seeland an, wo wir unseren Vater aufgabelten und gemeinsam reisten wir zur Dritt mit 4 Hunden in unserem kleinen Outback Subaru nach Frankreich. Kurz nach 19.00h kamen wir in Sully sur Loire an, genossen die Französische Küche und übernachteten in unserem gewohnten Zimmer im Hotel le Labrador in St. Benoît sur Loire, wo wir Stammgäste sind.

Am nächsten Tag, also Sonntag, kamen wir pünktlich um 8:45h zum Treffpunkt im Jagdrevier an. Kein Mensch war zu sehen, nur ein leicht eingeschneites Auto auf dem Parkplatz war zu erkennen. Irgend etwas schien nicht normal zu sein. Entweder wir waren verdammt zu früh oder hatten uns mit dem Datum vertan. Während die beiden Daniels auf dem Parkplatz warteten, ging ich zum Haus, um mich zu erkundigen.

Der Großvater des Gastgebers kam mir entgegen, mit einem entsetzten Blick: "Oh mon dieu, was tun Sie hier? Hat man Sie nicht informiert, dass die Fasanjagd auf Montag verschoben wurde? Wir jagen nicht, wenn es Schnee hat".
Ich war etwas verwirrt, die Strassen und Felder waren leicht mit Schnee bedeckt, aber das war nicht der Rede wert. Wenn es schneit, wird in Frankreich nicht gejagt, das wusste ich, aber nicht, wenn es sonnig ist und nur wenig Schnee liegt; das war mir neu.

Tja, was sollten wir nun tun? Hatte nun mein armer Papa etwa umsonst die ganze Reise gemacht? Am Montag mussten wir wieder nach Hause, weil Yanac für Dienstag bei uns zu einer Entenjagd eingeteilt war und mein Vater wieder arbeiten musste.

Tatsächlich hatte Isabelle, die die Jagd organisierte, versucht, mich zu erreichen. Da sie meine Handy-Nummer nicht hatte, benachrichtigte sie mich am Samstag Spätnachmittags per Mail. Leider nützte das nicht viel, weil wir bereits in Frankreich waren.

Jean-Philippe, ihr Mann, hatte Mitleid mit uns. Spontan bot er uns an, anstelle der Fasanjagd bei seinem Bekannten auf Taubenjagd mitzumachen und am Montag, bevor wir nach Hause fahren wollten, bis zum Mittagsessen zu jagen. Tja, für eine Taubenjagd waren wir nicht gerüstet, wir hatten nicht mal die richtige Munition. Also überreichte uns Jean-Philippe eine ganze Schachtel Munition und führte uns zu seinen Jägerkollegen.

Daniel und ich waren noch nie auf einer Taubenjagd. Man stellte uns im Revier ab, ohne große Erklärungen und Anweisungen, und hatte uns empfohlen, die orange Halstücher nicht anzuziehen, weil die Farbe die Tauben verscheucht. Kurz und bündig wurde uns mitgeteilt, dass Tauben sehr schwer zu bejagen sind, man uns um 15.00h wieder abholen würde, von wo bis wo unsere Revier ginge, nur Tauben und Krähen bejagt und nur hoch gezielt werden dürfte.

Daniel nahm Balia zu sich und mein Vater, mit Yanac an der Leine, begleitete ihn. Mich begleiteten Olorun und Samurai. Ich band Samurai an einen Ast und Olorun ließ ich unangeleint absitzen. Doch als Yanac dann bei mir blieb, anstatt beim Daniel, ließ ich Samurai im Auto. Drei Hunde wären eindeutig zuviel gewesen.

Jeder tat sein Bestes, wir standen am Rande des Waldes und lauerten auf die Tauben und Krähen. Nach 15 Schüssen hatte ich immer noch nichts getroffen. Es wurde mir dann klar, dass ein Versuch sinnlos war, wenn die Tauben zu weit von mir weg waren oder durch die Bäume flogen; diese traf ich sowieso nie. Also nahm ich mir vor, nur auf Tauben zu zielen, die nah und langsam genau bei mir vorbei flogen. Beim ca. 20. Schuss, mit einem einzigen Schuss, endlich die Erste Taube! Mein allererstes getroffenes Wild in meinem ganzen Leben! 20 Versuche für nur einen einzigen Vogel. Wahnsinn! Ich fühlte mich wirklich wie ein Versager.
Doch als Daniel zu mir kam und mitteilte, dass er immer noch nichts getroffen und noch mehr Schüsse gebraucht hatte, war ich stolz auf mich und bekam wieder mehr Motivation. Nach dem 30. Schuss auch schon die zweite Taube, ebenfalls mit einem einzigen Schuss... Dann folgten wiederum etliche erfolglose Versuche... irgendwann traf ich noch 1 weitere Taube mit einem Schuss und dann die Letzte mit zwei Schüssen.

Daniel hatte immer noch nicht getroffen. Er fing langsam an, an sich zu zweifeln. Was machte er nur falsch? Bei der Strecke haben wir dann erfahren, was wir falsch gemacht hatten. Daniel stand wie bei einer Fasanjagd vor der Hecke im Freien und hatte versucht, auf die Tauben wie auf Fasane zu zielen. Die Tauben sind wie Krähen, sie haben ihn von weitem gesehen, flogen höher und wendeten sich kurzfristig von ihm ab. Die Franzosen haben sich getarnt, sogar ein Netz über ihrem Kopf und Handschuhe getragen, damit die Tauben ihre weißen Hände und ihr Gesicht nicht von weitem sehen konnten. Ich hatte zwar keine Handschuhe an, aber weil ich im Wald blieb, war ich zumindest halb getarnt. Ganz so schlecht habe ich nicht geschossen, denn eine Jägerin, die schon ein paar Male auf einem Taubenjagd dabei war, sich sogar getarnt hatte, hatte nur 1 getroffen.

Am nächsten Tag, bevor wir nach Hause fuhren, gingen wir mit ihnen noch auf Fasanjagd. Es wurden ca. 20 Schützen 2x2 Gruppen aufgeteilt, die eine mussten treiben und nur nach hinten schießen, die anderen durften in der Kette stehen. Im ersten Treiben mussten wir treiben und beim zweiten Treiben durften wir dafür in der Kette stehen. Mein Vater begleitete mich beim zweiten Treiben, weil Yanac beim Buschieren immer mit mir ging und nicht mit ihm oder mit Daniel. Aber das war nicht unbedingt eine gute Idee, dass mein Vater neben mir stand. Olorun frei abgesetzt, und mein Vater hielt die Yanac an der Leine. Die Fasane kamen. Rechts von mir stand die Sonne.

Der erste Schuss ging total daneben, obwohl der Fasan so schön bei mir flog, aber ich schoss wie ein völliger Anfänger und hatte die Flinte nicht richtig angelegt. Aber dann hatte ich mich wieder erholt und trotz richtiger Stellung immer ca. 1m hinter den Fasanen "getroffen". Als endlich der erste Fasan links bei mir vorbei flog, sagte ich zu mir: "So, das ist deine Chance! Den musst du treffen, sonst bist du wirklich eine Niete."
Bisher flogen alle Fasane immer leicht rechts bei mir vorbei, wo ich die Sonne hatte und etwas abwarten musste, bis sie nach hinten flogen. Ein Schuss, und der Vogel fiel kurz vor mir runter. Mein Vater jubelte so laut "Bravo, bravissimo, getroffen getroffen"; Mensch, das war mir aber sehr peinlich. "Psst, Papi, nicht so laut und nicht übertreiben". 
Leider mussten wir dann die Jagd abbrechen, fuhren nach einem gemeinsamen Aser mit der Gesellschaft anschließend Richtung Schweiz.

Während dieser zwei Tage in Frankreich habe ich für 4 Tauben ca. 65 Schüsse und für 1 Fasan 11 Schüsse verbraucht. Der Daniel hatte 0 Tauben mit über 80 Schüssen und 2 Fasane (die zwar mit einem Schuss getroffen wurde) mit 8 Schüssen. Wir haben gelernt, dass man bei der Taubenjagd tarnen muss. Ich kann zielen und treffen, wenn ich mehr Selbstvertrauen in mein Können habe.

Meinen Papa werde ich nicht so schnell wieder aufbieten und ich denke sogar, er kommt so schnell auch nicht mehr freiwillig mit. Er fand die Taubenjagd und das Buschieren (Fasan) sehr langweilig.
Olorun hatte nur am 1. Tag eine Taube holen dürfen, war die ganze Zeit unangebunden, super steady.
Yanac durfte meine 3 Tauben und 1 Fasan holen, Balia hatte dafür die eingesammelte Taube nochmals apportiert und die zwei Fasane von Daniel. Der Samurai war die meiste Zeit nur im Auto.

02. Februar 2006 (Daniel's Geburtstag), MN


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