Hauptmenü
Berichte > Jagd
Es ist Samstag früh, minus zehn Grad Celsius, Yanac und ich warten hinter unserem Schützen auf unseren Einsatz. Der Jagdleiter hat die etwa zehn Schützen in einem Abstand von 30 bis 50 Metern entlang dem Fluss "Reuss" aufgestellt. Nun warten alle auf das Zeichen, um vorzupirschen. Es liegt noch ein leichter Nebel über dem Feld. Mein Schütze und ich sind die untersten, so dass wir die Schützen ganz oben nur noch als kleine Umrisse im Nebel erkennen. Allmählich lichtet sich aber der Nebel, und die Sonne scheint als goldene Scheibe hindurch.
Da geht es los - die Jäger pirschen sich langsam ins Ufergebiet. Man muss sehr vorsichtig und leise vorgehen, denn die Enten hier sind äußerst scheu und wachsam, und nun gegen Ende der Jagdsaison sind sie auch schon an die Jagd und deren Geräusche gewohnt. Ich folge meinem Schützen, ungefähr zehn Meter hinter ihm. Da krachen Schüsse, etwa 200 oder 300 Meter weiter oben am Fluss entlang; der Schwarm Enten, dem wohl die Schüsse gegolten haben, fliegt etwa 50 Meter über uns hinweg. Mein Schütze zielt, lässt dann aber ab - "zu weit hoch schon", meint er, "ich will sie nicht bloss verletzen".
Der Jagdleiter, zweiter Schütze neben uns, hat etwas mehr Glück: Ein Schwarm zieht knapp über ihn hinweg, er schießt. Allmählich löst sich ein Erpel aus dem Schwarm und segelt auf den Fluss. Ich renne so rasch ich kann durch die Gebüsche, aber ich kann die Ente auf dem Wasser nicht mehr erkennen; "hoffentlich ist sie nicht flussabwärts und schon verloren", denke ich. Als ich noch etwas weiter flussabwärts nachschauen will ... "Es kommt eine Ente, ganz am anderen Ufer", ruft der Jagdleiter. Ich schaue durch mein Fernglas, sehe zuerst nichts, doch da ist die Ente, in der Tat fast am anderem Ufer, ca. 60 bis 70 Meter vor uns. Eine Rätsche und deshalb mit dem braunen Gefieder vor dem Hintergrund des anderen Ufers kaum auszumachen. Ich setze Yanac an, "voooran", da geht sie ins Wasser, schwimmt zuerst scheinbar planlos geradeaus, ich bestätige noch mal "voran". Als sie knapp über der Mitte des Flusses ist, erkennt sie die Ente, und paddelt erst recht los. Sie nimmt sie aus dem Wasser auf und apportiert zurück zu uns. Durch den Zug des Flusses kommt sie gut 100 Meter weiter unten raus.
Unser Schütze kommt zu uns und freut sich über die gute Arbeit der Yanac. Nun müssen wir aber noch die Ente finden, die er getroffen hat. Er hat sie noch gesehen, als sie auf dem Wasser gelandet und dann ans Ufer gegangen sei. Ich nehme erneut mein Fernglas und suche das gegenüberliegende Ufer ab. Kurz darauf erkenne ich das grüne Haupt eines Erpels. Zu weit, um noch mal mit Schrot zu schießen. Der Jagdleiter will seine kleinkalibrige Büchse holen, damit der Erpel nicht leiden muss ... schließlich kann ich ihn überzeugen, dass Yanac die Ente apportieren kann. Ich schicke Yanac wieder, diesmal mit "over" .... sie zieht davon im ziehenden Wasser, und gelangt schließlich wieder 100 oder gar 150 Meter weiter unten ans andere Ufer. Sie will weiter ins Hinterland, ich pfeife, sie sitzt. Dann schicke ich sie flussaufwärts. Als hätte sie die Ente vorhin im Fernglas auch schon gesehen, zieht sie flussaufwärts, die Nase immer schön tief. Ich will gerade meinen Gefährten erklären, dass Yanac nun bald die Ente in die Nase bekäme, als genau das sichtlich zum Erstaunen meiner beiden Kameraden auch schon passiert.
Als Yanac die Ente aufnehmen will, rafft sich diese auf und flüchtet zum Wasser. Wir glauben, dass sie nun abtaucht, doch sie fliegt in unsere Richtung flussaufwärts, so dass der Schütze einen weiteren Treffer anbringen kann. Erneut flüchtet die kranke Ente ans andere Ufer, kann sich diesmal aber nur in einem Widerwasser halten, etwa 150 Meter flussaufwärts. Gegenüber lasse ich Yanac mit einem Pfiff sitzen, damit sie bleibt bis die Ente an der Wasseroberfläche vorbeitreibt. Und da, die Ente ist nun so schwach, dass sie sich im Wirbel nicht halten kann und knapp entlang dem Ufer gegenüber mit dem Fluss abwärts getrieben wird. Schließlich pfeife ich Yanac "zu mir". Sie kommt ans Wasser, und sieht sie auch schon die Ente an der Oberfläche treiben ... mit einem Sprung ist sie im Wasser und apportiert. Wieder am Ufer, und voller Freude (sie merkt, dass sie etwas gut gemacht hat), trockne ich sie mit einem Tuch.
Der eine Begleiter, der auch als Hundeführer mitgekommen ist und den Wachtel eines Schützen führt, staunt sichtlich beeindruckt.: "So schön zum Zuschauen sei das ..., wie sie den Pfiffen Folge leiste, ... und das bei den Temperaturen und auf diese weite Distanz ...".
Zurück beim Besammlungspunkt, erzählt der Jagdleiter die Geschichte. Alle schauen mich und natürlich Yanac mit freudigen Augen an, und wir wachsen ein paar Zentimeter ...
Etwas später durfte dann Yanac noch eine weitere Ente aus dem Wasser apportieren, aber so spektakulär, war heute der einzige Einsatz.
Weidmannsheil!
Daniel und Yanac, 29.01.2005