Once Upon A Time


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Instinkt

Berichte > Diverse


Während der Ferien in Graubünden bat ich meinen Mann während eines Spaziergangs, unsere Hündin Balia anderswo spazieren zu führen, um die Bindung zwischen mir und Balia’s Tochter Yanac, damals 12 Wochen alt, aufzubauen.

Mein Mann nahm dies sehr wörtlich und verschwand aus unserer Sicht. Als ich von Yanac genügend Aufmerksamkeit gewonnen hatte, stellte ich fest, dass wir uns allein mitten im Wald befanden. Weit und breit waren weder Mann noch Hund zu sehen.

Ich geriet leicht in Panik, rief nach den beiden. Meine Stimme wurde lauter, heftiger und zorniger. Da bemerkte ich auf einmal, dass Yanac eine Fährte aufnahm. In der Hoffnung, dass sie die richtige Spur verfolgte -es gab viele natürliche Waldpfade- rannte ich ihr hinterher wie eine blinde Kuh. Sie rannte und rannte und wenn sie die Spur verloren hatte, musste sie sich selber korrigieren und die letzte Spur wieder aufnehmen. Ich konnte ihr beim besten Willen nicht helfen. Ohne zu übertreiben führte sie mich durch den ganzen Wald über Stock und Stein, bald darauf auf eine offene Wiese. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Es war ziemlich weit - vielleicht 600m, vielleicht sogar mehr - jedenfalls weit genug, dass die beiden von mir Gesuchten mein Rufen und Pfeifen nicht hatten hören können. Selbst wenn ich aus Leibeskräften geschrieen hätte. Doch am Ende erreichten wir meinen Mann & Balia.

Es war sensationell, aber es war die natürlichste Art wie ein Welpe das Fährten lernen kann. Sie folgte schlicht ihrem Instinkt und nahm die Fährte ihrer Mutter auf. Durch diese Beobachtung versuchte ich, diesen Instinkt in spätere Fährten zu integrieren.

Beim nächsten Spaziergang machte ich vorerst allein mit Balia einen Rundgang über Straßen und Wege, über Tannenbäume und Baumstämme, über Dornen- und Brennnesselgebüsche, über Moor, Wiese und Wald 10-15 Minuten lang. Dabei legte ich sichtig ein Dummy auf den Weg. Zurück beim Auto versorgte ich Balia , nahm anschließend Yanac, stellte sie auf den Boden und sobald sie die Spur aufnahm, sagte ich ihr zu: „Such Schleppe!“. Wie gewohnt rannte sie und ich ihr hinterher. Kurz vor dem Dummy, bevor sie ihn überrennen konnte, rief ich: „Apport“. Somit lehrte ich sie, dass „Such Schleppe“ mit einem Apport endete.

Nach 3 solchen Versuchen, einmal sogar über ein Bächlein, war sie soweit, dass ich am Ausgangspunkt warten und zusehen konnte, wie sie mir selbständig das kalte Wild brachte. Als sie 5 Monate alt war und zum ersten Mal im Schnee stand, erzählte mir mein Mann, dass sie sogar im Schnee spurte.

MN, 14. November 2000


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